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Hochschulbau-Blog

Innovation

Forschung aus Fabriken?!

Ganz im Sinne der Thesen zur Hochschullehre 2025 entstehen in jüngster Zeit vermehrt „Forschungsfabriken“. Diese Experimentierräume leisten einen Beitrag zur „Kultur der Innovation“ und bieten Raum für sich verändernde Arbeitsweisen. Hier werden in außeruniversitären Forschungseinrichtungen Flächenangebote für ergebnisoffene Projektabläufe angeboten.

In den vergangenen Monaten eröffneten zwei Forschungsfabriken: die „Karlsruher Forschungsfabrik“ und die „Life Science Factory Göttingen“. Beide Standorte verstehen sich als Begegnungsfläche für Wirtschaft und Forschung.

Karlsruher Forschungsfabrik

Die süddeutsche Forschungsfabrik ist eine Initiative des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Fraunhofer-Gesellschaft. Auf einer Produktionsfläche von rund 5.000 m² sollen innovative Ideen mithilfe Künstlicher Intelligenz umgesetzt werden. Der Forschungskomplex bietet flexibel nutzbare Hallenflächen, entsprechend dem Ansatz einer wandlungsfähigen Produktion.

Quelle: Heinle, Wischer und Partner, Freie Architekten

Die ingenieurwissenschaftlichen Themenfelder Elektromobilität, Leichtbau und digitale Technologie der Industrie 4.0 bilden dabei den Forschungsschwerpunkt. Charakteristisch für Karlsruhe sind überdies die Kooperationsmodelle. Unternehmen können in den „Enterprise labs“ gezielt und engmaschig mit Wissenschaftler:innen zusammenarbeiten und somit ihre Konzepte sowie Produkte innovativ umsetzen.

Life Science Factory

Die Gründung der „Life Science Factory Göttingen“ erfolgte durch den Pharma- und Laborzulieferer Sartorius. Die knapp 3.300 m² großen Räumlichkeiten sind mit modernster Labortechnik ausgestattet und bieten neben werkstattähnlichen „Makerspaces“ auch Büro- und Veranstaltungsflächen.

Quelle: Robin Stummvoll (Fotograf) und Drebes Oertel Design Studio (Gestalter:in des Labors)

Ziel ist neben dem wissenschaftlichen Fortschritt auch die Förderung von Life-Science-Firmengründungen in Göttingen. Die Nutzer:innen können sich an diesem Standort interdisziplinär vernetzen, forschen und Prototypen bauen. Darüber hinaus besteht ein umfassendes Angebot an Veranstaltungen und Mentoringprogrammen. Die vier flexiblen Stufen einer Mitgliedschaft richten sich nach den unterschiedlichen Bedürfnissen der Nutzer:innen. Mit der Basis-Mitgliedschaft, dem „Community ticket“, können Veranstaltungen kostenlos besucht und das Netzwerk genutzt werden. Weitere Tarife bieten den zusätzlichen Zugang zur Infrastruktur wie z.B. dem Maschinenpark oder gewährleisten einen Arbeitsplatz im Co-Working-Bereich.

Agile Prozesse, wie wir sie seit Jahren aus der Arbeit der IT-Expertinnen und Experten kennen, finden vermehrt Einzug in die Welt der experimentellen Forschung. Hochschulen wie auch außeruniversitäre Forschungseinrichtungen fördern gezielt Aktivitäten ergebnisoffener Prozesse. Besonderheit beider o. g. „Forschungsfabriken“ ist die frühzeitige interdisziplinäre Vernetzung mit Expert:innen, Wissenschaftler:innen, Unternehmer:innen und Investor:innen. Die Beteiligten verknüpfen sich bereits im Vorfeld des tatsächlichen Entwicklungsprozesses mit der Industrie, um gemeinsam ein optimales Zusammenspiel sowie bestmögliche Forschungsergebnisse zu erzielen.

Die Neuausrichtung dieser „Forschungsfabriken“ spiegelt somit aktuelle Bestrebungen der Hochschullandschaft wider, wie sie sich in den „Thesen zur Hochschullehre 2025“ zeigt: Deutsche Hochschulen stellen eine lernende Organisation dar, die eine partizipative und lebendige Hochschulkultur verkörpern (Hochschulforum Digitalisierung 2022 Thesenpapier).

Bildquelle: Pixabay.com


Christiane Fuchs